Mahnwache
gegen den Krieg in der Ukraine
24. Februar 2026

(Von einem Foto mit KI erzeugtes „Gemälde“)
 

Gemeinde Erzhausen
Vergiss-Mein-Nicht e.V.
Partnerschaftsverein Erzhausen e.V.
 

 

Vierter Jahrestag des russischen Überfalls:
Erzhausen demonstriert für die Ukraine

Am 24. Februar 2026, dem vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine, kamen in Berlin hochrangige Vertreter des deutschen Staates zu einem Friedensgebet zusammen.

An der Andacht in der Französischen Friedrichstadtkirche nahmen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Wadephul, mehrere Mitglieder des Bundestagspräsidiums sowie der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, teil.

Auch in Erzhausen wurde an diesem Jahrestag erneut zu einer Mahnwache vor der evangelischen Kirche eingeladen. Zu den Teilnehmenden zählten Markus Boulanger, Vorsitzender des Vereins Vergiss-Mein-Nicht e.V., sowie Bürgermeisterin Claudia Lange.

Markus Boulanger eröffnete die Veranstaltung, begrüßte die Anwesenden und hielt eine engagierte Ansprache. Darin betonte er, dass wir weiterhin fest und entschlossen an der Seite unserer Freunde in der Ukraine und in unserer Partnerstadt Ivanychi stehen und in unserer Unterstützung nicht nachlassen werden.

Auch Bürgermeisterin Claudia Lange richtete bewegende Worte an die Versammelten und berührte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihrer eindrucksvollen Rede.

Den Abschluss der Mahnwache bildete eine Schweigeminute, in der alle Anwesenden innehielten und gemeinsam der schrecklichen Ereignisse in der Ukraine gedachten.

 

 
 

Der Vorsitzende des Vereins "Vergiss-Mein-Nicht e.V.",
Markus Boulanger, begrüßte die Teilnehmer der Mahnwache:

 
Liebe Freundinnen und Freunde,
ich begrüße Sie und euch alle ganz herzlich zu unserer heutigen Mahnwache für unsere Freunde in Ivanychi/ Ukraine

Dass so viele von Ihnen und euch gekommen sind, ist ein starkes Zeichen. Ein Zeichen der Verbundenheit. Ein Zeichen der Solidarität. Und ein Zeichen dafür, dass wir nicht wegsehen.

Der Krieg gegen die Ukraine dauert nun bereits vier Jahre. Viele Jahre voller Angst, Zerstörung und Verlust für die Menschen in der Ukraine. Viele Jahre, in denen Familien auseinandergerissen wurden, Existenzen zerstört und Hoffnungen immer wieder auf eine harte Probe gestellt wurden.

Und doch stehen wir heute hier – gemeinsam.
Um unseren Freundinnen und Freunden in Ivanychi/ Ukraine zu sagen:

Wir sehen euch.
Wir denken an euch.
Und wir stehen an eurer Seite.

Ihr seid nicht allein.

Wir möchten die Fotos dieser heutigen Mahnwache an unsere Freunde in Ivanychi schicken – als Zeichen unseres Mutes, unserer Solidarität und unserer Freundschaft.

Als sichtbares Signal: Auch wenn uns viele Kilometer trennen, unsere Herzen sind verbunden.

Ganz besonders begrüßen möchte ich heute unsere Bürgermeisterin, Frau Claudia Lange.
Liebe Claudia, wie schön, dass du heute hier bist. Es ist keine Selbstverständlichkeit, und es zeigt, dass es auch dir ein Herzensanliegen ist, gemeinsam mit uns ein klares Zeichen für unsere Freunde in unserer Partnerstadt Ivanychi zu setzen. Vielen Dank für deine Unterstützung.

Zum Ablauf unserer heutigen Mahnwache:
Nach meiner Begrüßung wird unsere Bürgermeisterin zu uns sprechen. Im Anschluss daran halten wir eine Schweigeminute – begleitet von einem Glockengeläut. Dieses Läuten soll uns verbinden im stillen Gedenken an die Opfer dieses Krieges und in der Hoffnung auf Frieden.

Lassen Sie uns diesen Moment heute bewusst erleben. In Würde. In Gemeinschaft. Und in der festen Überzeugung, dass Solidarität stärker ist als Angst.

Vielen Dank, dass Sie heute hier sind. Und jetzt möchte ich das Mikrofon an unsere Bürgermeisterin Frau Claudia Lange übergeben. Liebe Claudia, vielen Dank dir.

 

Danach ergriff unsere Bürgermeisterin Claudia Lange das Wort:
 

 

Ansprache zum 4. Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine
Claudia Lange, Bürgermeisterin

Liebe Freunde,
Дорогі друзі
(Doro hi Drusie),

Vor vier Jahren standen wir hier, entsetzt über den Überfall der russischen Truppen in die Ukraine hinein. Fassungslos.

Wir haben besondere Beziehungen in die Ukraine durch unsere Partnerstadt Ivanychi. Und durch die Sozialstation des Vereins Vergiss-Mein-Nicht in Ivanychi. Wir haben Freunde dort, und ihr persönliches Schicksal und das ihrer Familien und Nachbarn, ihrer Lehrer und Kollegen berührt uns tief.

Einige von uns hier sind damals, ohne lange zu überlegen, an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren und haben Mütter mit ihren Kindern, die vor dem Krieg flohen, dort abgeholt und nach Erzhausen gebracht. Am 28.2.2022 kamen sie hier an. Und es wurden in den nächsten Tagen mehr. Einige Familien wussten, wo sie unterkommen konnten. Für weitere konnte die Gemeinde Wohnungen bei Erzhäuserinnen und Erzhäusern anmieten, damit die Kriegsflüchtlinge unterkamen. Ich möchte mich hier bei allen, die damals so spontan ihre Hilfe angeboten haben, und bei meiner Verwaltung herzlich bedanken.

Am Anfang gingen alle davon aus, dass die Geflüchteten in wenigen Wochen wieder zurückkehren könnten. Die ukrainischen Gäste hatten einen anderen Aufenthaltsstatus als andere Geflüchtete, was die Aufnahme von Beschäftigungsverhältnissen und die Integration erleichterte. Inzwischen arbeiten und leben einige Ukrainerinnen und Ukrainer aus dieser Zeit hier in Erzhausen. Andere zogen weiter oder gingen zurück in die Heimat. 

Anders als erwartet stemmte sich die Ukraine mit militärischer und ziviler Kraft und enormem Mut gegen das vermeintlich übermächtige Russland. Wer noch nie mit Krieg zu tun hatte, ließ sich an der Waffe ausbilden. Alles wurde genutzt, um es dem Angreifer so schwer wie möglich zu machen.

Hier vor Ort organisierte der Verein Vergiss-Mein-Nicht eine ganze Reihe von Hilfslieferungen in großen Vierzigtonnern. Die Gemeinde und die Freiwillige Feuerwehr Erzhausen besorgten einen LKW, Funkgeräte und andere nützliche Dinge, die unsere Freunde aus der Ukraine auf ihrer Liste hatten. Es gab viele Spenden und viele Helfer. Viele Erzhäuserinnen und Erzhäuser und auch Freunde von außerhalb packten bei den Beladungen mit an. Und sie taten dies mit einer Energie und Ausdauer, als ob es um ihr eigenes Leben ginge. Regen, Kälte oder auch das Alter der Helfer waren kein Hinderungsgrund, denn der Wunsch zu helfen, Solidarität zu zeigen und irgendetwas Sinnvolles in diesem Sinn entleerten, schrecklichen Krieg zu tun, trieb alle an.

Wer hätte in dieser ersten Zeit erwartet, dass dieser Krieg mehr als vier Jahre andauern würde?

Und der Wille der Erzhäuserinnen und Erzhäuser zu helfen ist unverändert. Der nächste Transport, organisiert von Vergiss-Mein-Nicht, ist wieder in Planung.

Die Feuerwehren aus Erzhausen und Ivanychi sind in Kontakt um Ausrüstungsgegenstände nach Ivanychi zu schicken. Zwei ehemalige Feuerwehrautos, die aktuell vom Bauhof genutzt werden, sollen dorthin geliefert werden.

Die Gemeinde Erzhausen ist mit einem großen, bundesgeförderten Projekt mit der Gemeindeverwaltung Ivanychi in Kontakt, um bei der Anhebung der Standards der Abfallentsorgung finanziell und durch Know How aus dem Landkreis zu helfen. Die Gemeinde Ivanychi hatte sich aus mehreren Möglichkeiten dieses Projekt ausgewählt. Während der letzten Jahre hat die Gemeinde Erzhausen unter anderem Schulausstattung, Küchengeräte, Generatoren, mit Hilfe unserer Ärzte zwei Sonografiegeräte und Bauhoffahrzeuge nach Ivanychi geschickt.

Auch wir aus der Verwaltung empfinden ein tiefes Bedürfnis zu helfen und unsere Solidarität und unser Mitgefühl zu zeigen. Ich war während des Krieges wiederholt in Ivanychi, Hubertus Riedl und Markus Boulanger und Rainer Seibold ebenfalls.

Unsere Freunde in Ivanychi haben sich jeweils große Mühe gegeben, uns den Aufenthalt so schön wie möglich zu machen. Wir konnten auf der einen Seite den ungebrochenen Willen spüren, für die Ukraine zu kämpfen. Für ein freies und eigenständiges Land. Für ein Leben in Freiheit mit all den Möglichkeiten, die es vor Ausbruch des Krieges gab.

Gleichzeitig konnten wir erkennen, wie müde dieser Krieg macht. Wie die Sorgen größer geworden sind. 2023 beeindruckte mich der Fokus auf eine schöne, glückliche Zukunft, sobald der Krieg endlich vorbei sein würde. Bei meinem Besuch jetzt im Januar ist, so mein Eindruck, dieser Fokus dem Zweifel gewichen, wann das Kriegsende wohl kommt und was das bedeuten wird.

Leider sind die Bilder der Gefallenen mehr geworden. Etwa siebzig mögen im Flur im Rathaus gehangen haben, viele davon aus 2025, junge Männer, Söhne, Familienväter, Menschen aus der Mitte der Gesellschaft Ivanychis.

Mit diesem Gedenktag, den der Vorsitzende des Vereins Vergiss-Mein-Nicht Markus Boulanger jährlich organisiert, zeigt Erzhausen, dass wir an der Seite der Menschen in unserer Partnerstadt stehen. Wir fühlen mit Euch. Wir wollen auf lokaler Ebene alle Unterstützung leisten, die möglich ist, um Ivanychi auch weiterhin zu helfen. Wir wollen dauerhafte verlässliche Partner für Ivanychi sein und nicht nachlassen, solidarisch zu sein. 

Ich danke allen, die heute wieder hier zu unserer Mahnwache gekommen sind. Das ist ein starkes Zeichen.

Unseren Freunden in Ivanychi wünsche ich einen baldigen Frieden, einen Frieden in Freiheit!

Slava Ukraini

 
Nachdem Bürgermeisterin Claudia Lange ihre Ansprache beendet hatte, rief sie gemeinsam mit
Markus Boulanger die anwesenden Erzhäuserinnen und Erzhäuser zu einer Schweigeminute auf:
 

 

Mit der Schweigeminute fand die Veranstaltung ihren würdigen Abschluss. Markus Boulanger dankte den Anwesenden für ihr Kommen und wünschte allen einen guten und sicheren Heimweg:
 

Liebe Freundinnen und Freunde,
Am Ende unserer heutigen Mahnwache möchte ich von Herzen Danke sagen.

Danke, dass Sie gekommen sind.
Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Danke, dass Sie mit Ihrer Anwesenheit ein so starkes Zeichen der Solidarität gesetzt haben.

In einer Zeit, in der so vieles schnelllebig geworden ist, ist es nicht selbstverständlich, innezuhalten. Gemeinsam zu stehen. Gemeinsam zu schweigen. Gemeinsam Haltung zu zeigen. Genau das haben wir heute getan.

Mein besonderer Dank gilt noch einmal unserer Bürgermeisterin, Frau Claudia Lange.
Liebe Claudia, danke, dass du heute bei uns warst und mit deinen Worten und deiner Präsenz ein klares Signal der Unterstützung gesetzt hast.

Ebenso herzlich danken möchte ich Frau Iryna Meyer.

Liebe Iryna, du leistest unermüdlich Unterstützung für die Ukraine, und du trägst die Geschichten, die Sorgen und die Hoffnungen deiner Heimat in dir. Du weißt aus eigener Erfahrung, was dieser Krieg für Familien bedeutet. Danke für deine Kraft, dein Engagement und deine stetige Bereitschaft zu helfen.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch einmal gemeinsam den Blick nach vorne richten.
Vergessen wir unsere Freundinnen und Freunde in unserer Partnerstadt Ivanychi nicht. Lassen wir nicht nach in unserer Solidarität. Jeder Beitrag zählt. Jede Unterstützung macht einen Unterschied. Jedes Zeichen gibt Hoffnung.

Wir hoffen und beten, dass dieser Krieg bald ein Ende nimmt!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch allen einen guten Abend, einen sicheren Heimweg und danke noch einmal für dieses starke, gemeinsame Zeichen heute.

Herzlichen Dank.

 

Im Anschluss gingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ruhig und nachdenklich auseinander, viele noch ganz erfüllt von den Eindrücken dieses Abends.